Mittwoch, 25. April 2012
Maschinensteuer macht Maschinen teuer
Die Piratenpartei beschäftigt sich im LiquidFeedback mit dem Thema Maschinensteuer.
Erstmal ein Argumenten-Brainstorm.
Gesellschaftliche Beteiligung
Menschen leben von einem Einkommen. Unsere Arbeitsgesellschaft ist dermaßen aufgebaut, dass man für ein Einkommen arbeitend tätig sein muss (neben Ersatzleistungen natürlich).
Wenn man einem Unternehmer eine Maschine zeigt, die effizienter als zehn Arbeiter etwas produzieren kann, wird er diese kaufen und die zehn Arbeiter im schlimmsten Fall dem Sozialsystem überlassen. Dass dieses Sozialsystem genau dadurch immer schwieriger finanzierbar ist, ist eine Milchmädchenrechnung, die jedoch im Kern stimmt.
Warum? Unternehmer machen Profit mit Maschinenarbeit und müssen keinen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung mehr über eine Lohnabrechnung bezahlen.
Eine Maschinensteuer ist eine Möglichkeit, Unternehmer am Sozialversicherungssystem zu beteiligen. (Eine Alternative dazu wäre z.B. eine stärkere Gewinnbesteuerung.)
Bestrafung von Rationalisierung
Wir sehen Rationalisierung - also das Ersetzen von Arbeitsplätzen durch Maschinen - als etwas Negatives. Klar: Die Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze jetzt von Maschinen belegt sind, haben erstmal weniger in der Tasche als vorher und müssen zur Absicherung ihrer Existenz - und evtl. zur Versorgung ihrer Familie - mittelfristig wieder eine Arbeit finden. Zu allem Übel wird bei der Vermittlung von Arbeit in letzter Zeit immer mehr Druck auf den Arbeitssuchenden aufgebaut.
Diese Situation ist - mal ganz pragmatisch gedacht - recht paradox: Der Mensch baut Maschinen, um sich das Leben zu erleichtern; Maschinen, die den Menschen vor stupider Arbeit bewahren sollen. Das würde jetzt doch eigentlich bedeuten, dass wir zwei Möglichkeiten haben, sobald wir Maschinen einsetzen:
- Die Menschen, deren Arbeit nun maschinell erledigt wird, in nicht-rationalisierbare Tätigkeiten zu bringen, um die Produktivität weiterhin höher zu treiben oder
- die Gesellschaft durch Arbeitszeitverkürzung von rationalisierbarer Arbeit zu befreien und damit eine Erhöhung der Produktivität nicht ins Maximale zu treiben.
Der erste Weg benötigt Umschulungen, die Zeit kosten. Weiterhin müsste den Umzuschulenden übergangsweise ein Einkommen finanziert werden, ohne dass diese produktive Arbeit leisten. Der zweite Weg der Arbeitszeitverkürzung setzt voraus, dass der Stundensatz von Arbeit steigt, was ebenfalls irgendwie finanziert werden müsste. (Wir arbeiten dann halb so lange, müssen davon aber noch leben können - und zwar nicht nur halb so gut ...)
Wenn ich keinen dieser Wege beschreite, sondern einfach Maschinen einsetze, ohne mich um die sozialpolitischen Konsequenzen zu kümmern, habe ich genau unsere jetzige Situation: Rationalisierung wird als etwas Schlimmes betrachtet, weil es Menschen aus der Arbeit drängt, ohne sich um deren Zukunft zu kümmern. Im Prinzip ist das die Aufkündigung des ungeschriebenen Gesetzes, dass jeder Mensch Arbeit bekommen kann, von der er dauerhaft leben kann. Dieses ungeschriebene Gesetz weichen wir auf und müssen daher auch würdige und lebenswerte Alternativen anbieten.
Diese Ersatzeinkommen könnte man über eine Maschinensteuer finanzieren. Man könnte diese Lösung aber dann als Bestrafung von Unternehmern sehen, die menschliche Arbeit maschinell ersetzen. Aber genau das sollte doch das eigentliche Ziel sein: Weniger unbequeme Arbeit durch Einsatz von Maschinen. Wir wollen also unbequeme Arbeit von Maschinen ausgeführt haben und besteuern eine Rationalisierung.
Nun, ich denke, dass eine Maschinensteuer nicht in jedem Fall eine Bestrafung für Rationalisierung darstellt. Es kommt erstmal auf die Höhe der Steuer an. Wenn diese sich am eingesparten Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung orientiert, hätte man hier sogar eine Stellschraube für eine Förderung von Rationalisierung bei gleichzeitiger Finanzierungsbeteiligung an Einkommensersatzleistungen.
Meiner Ansicht relativiert sich diese Sichtweise der Bestrafung dadurch.
Abwanderung technologieintensiver Unternehmen
"Als Unternehmer würde ich dort meine Firma hinstellen, wo ich die geringsten Abgaben zu zahlen habe. Eine Maschinensteuer macht mir die Entscheidung für einen Abzug aus Deutschland in Länder ohne Maschinensteuer leichter."
Auch hier denke ich eher, dass die Höhe der Maschinensteuer eine Stellschraube sein kann. Ob eine Maschinensteuer tatsächlich Auslöser für einen Standortwechsel ist, darf bezweifelt werden. Es gibt genügend Argumente für bestimmte Branchen, weiterhin in Deutschland ansässig zu sein. Anderen Branchen wiederum haben bereits weitreichende Gründe gefunden, um ihren Standort im Ausland festzulegen.
Jede steuerpolitische Entscheidung, die Unternehmen betrifft, könnte damit wegdiskutiert werden. Halte ich für eine eher schwache Argumentation.
Welche Maschinen zahlen wieviel Steuer?
Angenommen, auf eine Maschine zur Erzeugung von Kunststoffteilen würde ab morgen eine Maschinensteuer erhoben.
Was kostet der Übersetzungsdienst im Internet, den ich mit meinem Rechner beauftrage das Wort "Maschinensteuer" zu übersetzen? Immerhin wird hier auch "Arbeit" ersetzt. Eine Software übernimmt die Tätigkeit eines Dolmetschers.
Soll man die Maschinensteuer auf den "Wert" der Arbeit ansetzen, die durch die Maschine ersetzt wird? Oder lieber einfach den Kaufpreis der Maschine ansetzen? Wie besteuert man dann die ganzen Webportale? Gar nicht? Wieso nicht?
Diese Fragen sind für mich noch offen. An dieser Stelle habe ich auch die meisten Probleme mit einer Maschinensteuer, da mir das wie ein ungeheures bürokratisches Monster vorkommt.
Kann jemand (TM) diese Bedenken relativieren?
Brainstorm Ende
Während eine Maschinensteuer aus Sicht einer gesellschaftlichen Beteiligung an automatisiert erwirtschafteten Profiten durchaus sinnvoll erscheint und auch manche Bedenken sich je nach Art der Umsetzung in Luft auflösen könnten, bleibt für mich die Frage nach der konkreten Festsetzung der Steuer.
An welchem konkreten Wert macht man das ganze fest? Eine Idee früherer Zeiten war eine Besteuerung von Wertschöpfung - die sogenannte Wertschöpfungssteuer. Das wäre aber aus meiner Sicht nichts anderes, als grundsätzlich den Profit / Gewinn von Unternehmen stärker zu besteuern. Man könnte sagen, dass höhere Unternehmenssteuern dann einfacher umsetzbar wären, als eine neue Steuer einzuführen, die man ins bestehende Steuersystem erstmal reinpacken müsste.
Da bleibe ich nach dieser "kurzen" Gedankenparade erstmal skeptisch bzgl. einer Maschinensteuer und denke da lieber weiter in Richtung vernünftige Finanztransaktionssteuer und die Diskussion über Erhöhung von Beteiligungsmöglichkeiten der Gesellschaft an unternehmerischen Gewinnen.
Das sind für mich erstmal zukunftsweisendere Lösungen, die meiner Ansicht nach einfacher umzusetzen wären als eine Maschinensteuer, deren Komplexität in der Steuerberechnung die Vorteile meines Erachtens aufwiegt.
Montag, 23. April 2012
Piraten plantschen im Protest
"Die Piraten schöpfen überwiegend die Protestkultur ab."
Ja, was willste denn damit sagen? Haste Protest überhaupt definiert?
Protest im destruktiven Sinne
Protest ist Dagegensein. Protest wächst aus Unzufriedenheit. Wenn man den Begriff so deutet, hat er den Anschein, ohne Ziel zu sein. "Hauptsache es ändert sich etwas - was danach dann kommt, ist unwichtig. Hauptsache anders!" Das könnte zu dieser Sichtweise auf Protest passen.
Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Meine These - die auf nicht mehr als Beobachtung basiert - ist, dass Unzufriedenheit ohne Vision einer (mehr oder weniger) konkreten Zielsetzung eher in Schimpftiraden auf Stammtischen mündet. Eine politische Aktivierung dieser Unzufriedenen findet im Regelfall kaum statt. Es ist sogar zu beobachten, dass oftmals trotz des Wunsches auf Veränderung weiterhin alte Strukturen erhalten werden: "Ich wähle trotzdem CSU."
Warum? Das könnte ich - ebenfalls eine Vermutung - auf die Angst vor Veränderung zurückführen. Das würde weiterhin das "Ach, das war doch schon immer so ..." erklären. Sozusagen handelt es sich dabei dann um einen Rückzieher, nachdem man gemerkt hat, dass Veränderung im politischen Umfeld möglicherweise auch Veränderung der eigenen Gewohnheit bedeuten könnte. Das schlimmste überhaupt für das Gewohnheitstier Mensch ist es, etwas anders machen zu müssen.
Also: Protest ohne Zielsetzung erwarte ich nur im abendlich wiederkehrenden Stammtischgespräch und taugt üblicherweise grade einmal zur seichten Unterhaltung.
Protest im konstruktiven Sinn
Aber tut man da dem Begriff des Protests nicht etwas Unrecht? Unterschätzt man da nicht den modernen aufgeklärten Menschen? Immerhin stellt man ihn dadurch irgendwie als ausschließlich trotzig und ohne Fähigkeit zur eigenen Meinung hin - Doch, doch!, so wirkt es irgendwie.
Wenn man aber nach historischen Beispielen sucht, was Protestbewegungen endgültig erfolgreich auf die Plätze der Städte getrieben hat, findet man fast ausschließlich zielgerichtete Bewegungen mit konkreten Zielen. Beispiele?
- Amerikanische Revolution mit Forderungen aus der Aufklärungsbewegung
- Studentenbewegung in den 1960ern mit Forderungen nach Rücknahme von Gesetzen, Demokratisierung im Hochschulumfeld, Aufarbeitung der Verbrechen aus der NS-Zeit usw.
- Französische Revolution mit Ziel der Verankerung von Menschenrechten
Hoho - ich höre die reaktionären Stimmen, die jetzt laut lachend von sich geben: "Er möchte die Piratenpartei mit revolutionären Bewegungen vergleichen. Haha: Die Piraten mit den amerikanischen Gründungsvätern und den Denkern der Aufklärung vergleichen! Was für ein Bullshit! #roflcopter"
Da füg ich dann einfach ein #gtfo hinzu und fahre ignorierend fort:
Eine unzufriedene Bewegung entwickelt ihre verändernde Kraft erst durch die Formulierung - zumindest grober - Zielsetzungen. Davor bleibt es beim reinen Dagegensein (meinetwegen "passiver Protest), was ich noch nicht als Kraft des Protests bezeichnen würde. Protest aktiv zu machen geschieht über eine Zielsetzung.
Ich wage zu behaupten, dass die Struktur der Piratenpartei durchaus von aktivem Protest im konstruktiven Sinn geprägt ist. Ich war sehr lange den Grünen nahestehend. Dort hatte ich nicht das Gefühl, dass eine breite Basis so dermaßen aktiv mitgestaltet, an politischen Inhalten arbeitet, diskutiert, streitet und etwas Bewegen möchte.
Diese Aktivität ist für mich der Inbegriff eines aktiven Protests.
Fazit
Macht es die eigene Arbeit bzw. das eigene Projekt kleiner, wenn man aus Protestpotential schöpft? Nö. Eher ist es eine Art Kompliment: "Hey, ihr habt es tatsächlich geschafft, einer großen Gruppe von Unzufriedenen einen Weg aufzuzeigen und wieder eine Vision für eine lebenswerte Zukunft zu geben. Danke!"
Das einzige, was wir Piraten uns vorwerfen lassen müssten ist, wenn wir diese Versprechen nicht einlösen könnten. Darauf sollten wir Protestler uns konzentrieren. Und wenn ab jetzt von "Ach, nur Protest!" die Rede ist - wir wissen ja, dass es völlig geflauscht gemeint ist.
Viva la Flotilla!
Donnerstag, 5. April 2012
Grass bei Beichtvater Iran
Ich habe das Gedicht von #Grass einmal aufgeschraubt und nachgesehen, was drin ist.
So twitterte Frank Schirrmacher am 4. April, ein paar Stunden nach der Veröffentlichung von Günter Grass' "Was gesagt werden muss". Und der Titel hätte zu Schirrmachers Analyse tatsächlich weitaus besser gepasst als zum Gedicht selbst. Denn was in der Analyse zu Tage gefördert wird, ist meiner Ansicht nach ein Lehrstück über versteckte Untertöne.
Ich muss zugeben, dass ich den ersten Antisemitismus-Vorwürfen gegen Grass noch mit Unverständnis im Twitterstrom beim Vorbeilaufen zusah. Nach zweimaligem Lesen konnte ich von Antisemitismus noch nicht viel erkennen. Meine erste Idee war das Entknoten dieser künstlich in Gedichtform gepackten Sprache. Ich wollte einfach nur zusammenfassen. Oberflächlich. An ein Aufschrauben dachte ich nicht - und wäre auch sprachlich und historisch nicht in der Lage dazu gewesen.
So schrieb ich einen kurzen Text, quasi eine Übersetzung des Grass-Gedichts. Daraus zieht man statt Antisemitismus eher die Unterstellung eines Vernichtungsschlages oder die Verdrehung von Tatsachen. Das könnte man dann diskutieren und sich darin verlieren. Doch Frank Schirrmacher hat zu diesem Zeitpunkt bereits die Schrauben des Gedichtgehäuses entfernt, die Ummantelung geöffnet und zeigt, was wirklich diskussionswürdig ist.
Das was er sieht, nennt er dann zurecht "bestürzend": Günter Grass verwendet scheinbar harmlose Worte in einem Kontext, der diesen Worten eine zweite Sinnebene gibt. Wenn meine Zusammenfassung die erste - oberflächliche - Sinnebene darstellt, zieht Schirrmacher diese Worte mit ihren "neuen" Bedeutungen hervor:
- Wir als "Überlebende". (Rollentausch mit Holocaust-Überlebenden)
- Wir als "Fußnoten der Geschichte". (Anspielung auf Rede Charlotte Knoblochs bei Gedenkfeier, in der sie die Gefahr ansprach, dass Opfer des Holocaust zu Fußnoten der Geschichte werden.)
- "Auslöschung eines Volkes". (Gemeint ist Iran, assoziierter Rollentausch mit Judentum)
- Seine "Herkunft als Makel".
Gerade bei der Benennung des letztes Ausdrucks, den man im Gedicht "einfach so" auf das Schweigenmüssen des Deutschen bezieht und so stehen lässt, sollte einem fast schwindelig werden, was Grass hier auf so subtile Weise im Innenleben des Gedichts verbaut hat.
Er entwendet Worte und Ausdrücke aus dem Zusammenhang des Holocaust und stellt sie in einen neuen Kontext. Wenn man die Schuld des Deutschen als einen Makel bezeichnet, ist das eine Sache. Wenn man als preisgekrönter Schriftsteller allerdings das Wort "Herkunft" in diesem größeren Zusammenhang verwendet, weiß man, was man da tut. (Siehe Schirrmachers Analyse dazu!)
Damit steht nun das Gedicht nicht mehr nur als Zeigefinger auf einen möglichen Angriff Israels oder als Verwechslung von Ursache und Wirkung einer zukünftigen Entwicklung zwischen Israel und Iran da. Viel schlimmer ist das Gedicht nun der Versuch, sich selbst durch unterschwellig eingebaute Schlüsselworte reinzuwaschen.
Ich glaube nicht, dass man als Deutscher Israel nicht kritisieren darf. (Man mag als Deutscher die Verpflichtung haben, bei manchen Themen mehr Energie in die sprachliche Abwägung einbringen zu müssen, wenn es um Themen zum Holocaust oder zum Judentum geht. Das ist aber hier nicht gemeint. Es geht um die Kritik gegenüber Israel.)
Aber selbst wenn es so wäre, dass man als Deutscher bei Kritik gegenüber der israelischen Regierung, der israelischen Politik zurückhaltender auftreten müsste, so würde auch das keinesfalls den Deutschen als Opfer in einer Dimension der Opfer des Holocaust machen. Und genau diese Assoziation deutet sich im Gedicht an.
Um zu sagen, was Grass tatsächlich für eine Zielsetzung hat, weiß ich zu wenig über ihn und sein Gesamtwerk. Vermuten würde ich, dass es ihm erst einmal nur um sein eigenes Gewissen geht. Die Schuld schnürt ihm die Luft ab. Doch auf diese Weise darf er sein Gewissen nicht erleichtern. Er dürfte es nicht unterschwellig tun. Er müsste unverschlüsselt und offensichtlich schreiben - und er dürfte es nicht unter dem Deckmantel eines völlig anderen Themenkomplexes tun.
Der Iran nimmt dabei nämlich nur zu gerne die Beichte von Grass ab. Nur steckt unter dieser Kutte kein Priester, sondern im besten Fall ein verkleideter Mitschüler, der den Inhalt der Beichte für sich zu nutzen wissen dürfte.
Dienstag, 27. März 2012
Individuelle Meinung oder Gesamtmeinung?
Aktueller Aufhänger ist für mich der taz-Artikel über ein (unausgegorenes) Modell der Sozialpiraten:
http://www.taz.de/Piraten-und-das-Grundeinkommen/!90391/
Die Themenangabe oberhalb der Überschrift ist schon etwas irreführend:
"Piraten und das Grundeinkommen"
Zwar wird unterhalb der Überschrift eigentlich klar definiert, dass es im Artikel nicht um die abgestimmte und verabschiedete Meinung der Piraten-Mehrheit geht:
"... fordert eine Arbeitsgruppe der Piraten."
Es sind also nicht DIE PIRATEN, die das im Text angerissene Modell verabschiedet haben. Es ist eine Arbeitsgruppe. Und es ist ein Modell. Wenn man den Artikel genau liest, steht nirgends, dass es DIE mehrheitliche Piratenmeinung ist.
Trotzdem erzeugt der Artikel bei Lesern - sogar vereinzelt bei Piraten - den Eindruck, dass das 440er-Modell der jetzige Stand der Piratenpartei beim Thema BGE ist.
Warum?
Ich glaube, wir denken immer noch zuviel in Gruppen. Da nehme ich mich nicht einmal aus. Es steht ein Vertreter einer bestimmten Gruppierung vor einem Mikrofon und tönt seine Meinung und seine Ansichten in die Prärie. Ich beziehe die Aussagen des Gruppierungsangehörigen - weil ja beim Video unten in der Bauchbinde gerade seine Organisationszugehörigkeit steht - auf ... eben diese Organisation.
Dazu kommt, dass wir in den Medien beim politischen Diskurs meist nur Meinungen zu hören bekommen haben, die bereits offzieller Standpunkt einer Partei / Organisation war oder zumindest von einer größeren Gruppe innerhalb dieser Partei unterstützt wurde.
Mit Basisdemokratie und Schwarmverhalten ist diese einfache Einordnung nicht mehr so leicht möglich.
Wie kommen wir davon weg?
Ich glaube, das dauert lang und erfordert einfach Fingerspitzengefühl. Und zwar nicht nur - aber auch - seitens der Journalisten, die versuchen müssen noch mehr zu differenzieren. Sondern auch seitens der politisch Aktiven, die manche unausgegorenen Infos einfach nicht in die Presse posaunen sollten.
Das hat einfach nix mit Transparenz zu tun, wenn ich das Bild eines Teiges zeige, unter den gerade eine Eier-Mehl-Pampe gehoben wird. Die Pampe mag nicht nach kulinarischer Höchstleistung aussehen, sagt aber nichts über den fertigen Kuchen aus.
Zeigen wir den Weg zum fertigen Kuchen und geben zu, dass da noch weitere Zutaten reinmüssen.
Die Presse muss aber diesbezüglich ein paar Schritte auf uns zukommen und dieses Differenzieren deutlicher machen. Im Übrigen beziehe ich mich nicht mal auf den oben verlinkten taz-Artikel, denn darin steht sehr deutlich:
"Ganz zufrieden sind die Sozialpiraten mit ihrem Modell selbst noch nicht. Man suche noch nach „weiteren Finanzierungsquellen“, um ein höheres Grundeinkommen zahlen zu können, sagt Stützer. "
Heißt: So sieht der Teig momentan aus. Da fehlen noch Zutaten und außerdem muss er noch in den Ofen. Denn aufgebacken wird bei Piraten erst nach Abstimmung auf einem Parteitag.
Mittwoch, 22. Februar 2012
Menalto Gallery streikt nach Drupal-Pfad-Umzug
Die Vorgehensweise für den Umzug von Drupal (Version 6.x) in ein anderes Webserver-Verzeichnis liegt bei mir in meiner Wissensdatenbank. Das hat mir schon einiges an Zeit eingespart. Erstmals hatte ich jetzt einen Kunden, der innerhalb seines Web-CMS auch eine Bildergalerie integriert haben wollte.
Die Wahl fiel bei mir auf Menalto Gallery2, da dafür eine Drupal-Modul-Implementierung vorhanden war und mir diese Lösung als die bedienfreundlichste erschien.
Wie so oft existiert bereits eine laufende Webseite, die nun um ein Web-CMS erweitert werden soll. Ich entwickle dabei in Ruhe an meiner Drupal-Installation und installiere Modul um Modul, bis das Teil durchgetestet und für einsatzbereit empfunden wird. Nach Kundenfreigabe geht es dann an den Umzug ins Wurzelverzeichnis des Webservers, um die vorherige Version der Webseite zu ersetzen.
Mit Drupal funktionierte alles einwandfrei:
- Cache leeren und Caching deaktivieren
- Entwickeltes Drupal auf dem Webserver ins gewünschte Verzeichnis kopieren / verschieben
- .htaccess von Drupal auf richtige Verzeichniseinträge kontrollieren
- In sites/default/settings.php den richtigen Pfad bei $base_url eintragen
- Hart gecodete Pfade in Templates (u.ä.) anpassen
- Cache reaktivieren
... Drupal läuft wie in der Testumgebung. Die Überraschung:
Die Bildergalerie zeigt nüscht: Seite nicht gefunden!
Ok, da kann man dann ja einfach mal in die Drupal-Administration sehen und findet dort eine Konfiguration für Gallery2 unter Site Configuration > Gallery Settings. Auf dieser Seite sieht alles erstmal nach ein paar Pfad-Errors aus. Also versuchen unter dem Reiter Install alles wieder hinzubiegen. Zuerst eine Seite, auf der man nix einstellen kann. Also bleibt nichts anderes als sich zu trauen auf "Reset & Restart" zu klicken.
Leichte Verunsicherung, warum das nötig ist, aber man kann nun zumindest die Pfade eingeben. Man stellt alles ein, lässt die Tests durchführen und kommt irgendwann an den Punkt, die User zwischen Gallery und Drupal synchronisieren lassen zu müssen. Mach ich. Peng: Die Installation landet wieder bei Schritt 1, den Pfadeinstellungen.
Super! Endlosschleife. Auch nach erneutem Versuch klappt es nicht und es beginnt wieder von vorn.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe das Modul "Gallery Profile" deaktiviert, habe die Installation auf der Gallery-Einstellungsseite nochmal durchgeführt, diesmal hat es geklappt und ich konnte das deaktivierte Modul wieder aktivieren.
Gallery läuft wieder ... dachte ich: Sämtliche in der Testumgebung eingefügten Bilder können nicht angezeigt werden. Sie werden einfach nicht gefunden. Die Pfade nachgesehen und festgestellt, dass es sich wohl um URL Rewrites handelt. Vermutlicher Fehler: Irgendwo liegt eine fiese .htaccess-Datei, die eigentlich während der Gallery-Reinstallation neu geschrieben hätte werden müssen, es aber nicht wurde.
Die Vermutung war richtig. Sowohl die .htaccess im Wurzelverzeichnis, als auch unter /sites/all/libraries/gallery2/ wurden beide bezüglich Pfadangaben im Zusammenhang mit URL Rewrites angepasst und die Bilder waren wieder auffindbar.
Vielleicht hilft das dem einen oder anderen weiter.
Freitag, 17. Februar 2012
Sozial-liberale Piraten
Die SPD durchsucht - und bitter enttäuscht.
Die Grünen durchwühlt - und nichts ist's gewesen.
Die Linke beschnuppert - doch zu viel and'res gefunden.
So manchen hat Politik schon verraten.
Mein Tipp ist: Es kann nicht schaden,
Schau geschwind zu den sozial-liberalen Piraten.
Kurzer Einfall, musste hier rein!
Vom Stil aber schon irgendwie wie Parteipropaganda aus einem Land vor unserer Zeit.
BranchOut als Karrierenetzwerk innerhalb von Facebook
Ein Kontakt innerhalb von Facebook hat mir gerade eine Anfrage geschickt, ich solle doch mal BranchOut ausprobieren. Ein kurzes Einführungsvideo beschreibt BranchOut als unvergleichbaren Karrieremotor - mehr erfahre ich darüber aber nicht.
Datenzugriff
Ein schneller und unüberlegter Klick würde für das Programmchen Zugriff auf zahlreiche meiner Daten erlauben:
- Alle öffentlich gemachten Infos - egal, nur zu!
- Wohnort, Ausbildung, bisherige Arbeitgeber - naja, bin Freiberufler - sind also keine Geheimnisse
- Infos, die andere mit mir teilen: Aktuelle Städte, Ausbildung bisherige Arbeitgeber - darüber schreibe ich gleich!
- Erlaubnis zum Senden von Emails
Das einzig Problematische, das ich schonmal in der Datenanforderung erblicke ist, dass sich "Infos, die andere mit mir teilen" so anhört, als würde ich hier den Zugriff auf diejenigen Daten meiner Kontakte erlauben, die meine Kontakte mit mir teilen. Es klingt für mich zumindest genauso. Oder sind mit dem Ausdruck "die andere mit mir teilen" lediglich öffentlich geteilte Infos gemeint? Ich mutmaße: Nein!
Diese Unsicherheit alleine würde eigentlich reichen, um den Dienst abzulehnen, ohne dass ich den weiteren Nutzen von BranchOut untersuchen müsste. Das was jetzt kommt ist nicht mehr so tiefgreifend, sondern erklärt nur noch zusätzliche Bedenken bzgl. Facebook als Karriereplattform.
Facebook privat oder Facebook beruflich
Die meisten Nutzer bei Facebook dürften inzwischen gelernt haben, dass persönliche Daten heikel sind. Wenn man schon gedankenlos Dinge über sich ins weltweite Netz stellt, dann zumindest die Kontrolle darüber bewahren. (Ob das überhaupt geht, kann man anderswo nachlesen.)
Kontrolle bewahren heißt, Einträge nur an Kontakte freigeben und auch Fotos für die Öffentlichkeit sperren.
Wer Facebook ausschließlich beruflich nutzt und zig-mal überlegt, welche Infos er darin mitteilt, kann eigentlich aufhören zu lesen. Sofern man aber Facebook als Privatdatenwiese nutzt, gilt das folgende.
Fleißig wird sich mit Freunden über die letzten Parties unterhalten, seine Stammtischreden durch das Netzwerk gejagt oder einfach nur darüber gesprochen, wann man mit wem dieses Jahr in den Urlaub fährt.
Das ist privates Umfeld. Jetzt kommt aber ein Werkzeug namens BranchOut daher, das so perfekt seine Arbeit im Bereich Karriereförderung machen kann, wie man es sich nur vorstellen kann. (Ich weiß übrigens nicht, ob es seine Arbeit perfekt macht, denn ich hab's mir noch nicht angesehen, siehe Abschnitt unter der ersten Überschrift dieses Eintrags.)
Die Güte des Werkzeugs ist egal. Sobald man innerhalb eines überwiegend privat genutzten Netzwerks plötzlich Leute ins Netzwerk holt, die aus dem eigenen beruflichen Umfeld kommen, kann man schnell Probleme bekommen. Es ist egal, ob BranchOut die privaten Inhalte von den Geschäftskontakten fernhält (was es übrigens tatsächlich tun soll nach Auskunft eines Mitarbeiters). Es ist auch vollkommen wurscht, dass man eventuell darüber ein super Jobangebot bekommen wird (das bekommt man dann über andere Dienste auch). Denn eines wird zum Problem:
Eine Kommunikation ist entweder privat oder beruflich. In unserer Gesellschaft herrscht eine Trennung dieser beiden Lebensbereiche. Das äußert sich dadurch, dass man sich bei Bewerbungsgesprächen anders benimmt als auf privaten Partys. Man versucht seriöser zu wirken (meistens seriöser als man eigentlich ist). Zu allem Übel wird im Berufsumfeld auch schonmal auf die Kleidung geachtet, die so gar nicht der Weggehkleidung gleichen möchte.
Ob das schön oder nicht schön ist und dass der Personaler auch irgendwann mal besoffen in einer Cocktailbar hängt, kann man irgendwo ausdiskutieren. Es ändert nämlich nichts an der Tatsache, dass der wieder nüchterne Personaler trotzdem seine Entscheidung im Zweifelsfall an weißen Socken und unrasiertem Gesicht festmachen wird.
Aber wie kommt's dazu, dass er Details rauskriegt, die doch so perfekt im Privatbereich von Facebook versteckt sind? Da braucht es nicht einmal einen Softwarefehler, damit das passiert. Man lernt also über BranchOut einen Personaler oder einen möglichen Geschäftspartner kennen und tauscht Nachrichten aus über mögliche Jobs und über Erfahrungen. Beim ersten Austausch ist noch nix dabei aber man bleibt in Kontakt - vorerst über BranchOut. Und nach einem halben Jahr schickt der findige Personaler eine Kontaktanfrage über Facebook, weil er ja jetzt einen interessanten Job hätte. Wer wird denn da Nein sagen?
Und hab-ichs-nicht-gesagt verschwimmt schon Beruf und Privates bei Facebook. Wer da jetzt noch trennen möchte, mit wem man was teilt, der muss sich mit den Facebooklisten schon sehr gut auskennen und diesen schon äußerst stark trauen.
Mein Tipp: Privat und beruflich trennen. Solange Facebook unberechenbar im Bezug auf das Handling der Daten hat und solange solche Anfragen für Datenfreigabe kommen, die sich auf unsere Kontakte beziehen, ist Facebook tabu für alles was über Privates hinausgeht. Dafür gibt es spezialisierte Plattformen.
BranchOut würde für mich erst dann interessant, wenn ich wirklich absolut vertrauenswürdigen Einblick in die Arten der geteilten Daten hätte, wie die Anbindung zu Facebook erfolgt usw. Und selbst dann würde ich als Jobinteressent meine potentiellen Arbeitgeber unnötigerweise auf meinen privaten Datenpool bei Facebook aufmerksam machen. Muss ja nicht sein. Sollen selbst danach suchen!
Als Schlussgedanke vielleicht folgendes:
Eigentlich sollte ja im Netz sowieso nix drinstehen, was man nicht mit
dem Megaphon über den Marktplatz plärren würde - bei laufenden
BBC-Kameras - zur besten Sendezeit.

