Mittwoch, 22. Februar 2012
Menalto Gallery streikt nach Drupal-Pfad-Umzug
Die Vorgehensweise für den Umzug von Drupal (Version 6.x) in ein anderes Webserver-Verzeichnis liegt bei mir in meiner Wissensdatenbank. Das hat mir schon einiges an Zeit eingespart. Erstmals hatte ich jetzt einen Kunden, der innerhalb seines Web-CMS auch eine Bildergalerie integriert haben wollte.
Die Wahl fiel bei mir auf Menalto Gallery2, da dafür eine Drupal-Modul-Implementierung vorhanden war und mir diese Lösung als die bedienfreundlichste erschien.
Wie so oft existiert bereits eine laufende Webseite, die nun um ein Web-CMS erweitert werden soll. Ich entwickle dabei in Ruhe an meiner Drupal-Installation und installiere Modul um Modul, bis das Teil durchgetestet und für einsatzbereit empfunden wird. Nach Kundenfreigabe geht es dann an den Umzug ins Wurzelverzeichnis des Webservers, um die vorherige Version der Webseite zu ersetzen.
Mit Drupal funktionierte alles einwandfrei:
- Cache leeren und Caching deaktivieren
- Entwickeltes Drupal auf dem Webserver ins gewünschte Verzeichnis kopieren / verschieben
- .htaccess von Drupal auf richtige Verzeichniseinträge kontrollieren
- In sites/default/settings.php den richtigen Pfad bei $base_url eintragen
- Hart gecodete Pfade in Templates (u.ä.) anpassen
- Cache reaktivieren
... Drupal läuft wie in der Testumgebung. Die Überraschung:
Die Bildergalerie zeigt nüscht: Seite nicht gefunden!
Ok, da kann man dann ja einfach mal in die Drupal-Administration sehen und findet dort eine Konfiguration für Gallery2 unter Site Configuration > Gallery Settings. Auf dieser Seite sieht alles erstmal nach ein paar Pfad-Errors aus. Also versuchen unter dem Reiter Install alles wieder hinzubiegen. Zuerst eine Seite, auf der man nix einstellen kann. Also bleibt nichts anderes als sich zu trauen auf "Reset & Restart" zu klicken.
Leichte Verunsicherung, warum das nötig ist, aber man kann nun zumindest die Pfade eingeben. Man stellt alles ein, lässt die Tests durchführen und kommt irgendwann an den Punkt, die User zwischen Gallery und Drupal synchronisieren lassen zu müssen. Mach ich. Peng: Die Installation landet wieder bei Schritt 1, den Pfadeinstellungen.
Super! Endlosschleife. Auch nach erneutem Versuch klappt es nicht und es beginnt wieder von vorn.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe das Modul "Gallery Profile" deaktiviert, habe die Installation auf der Gallery-Einstellungsseite nochmal durchgeführt, diesmal hat es geklappt und ich konnte das deaktivierte Modul wieder aktivieren.
Gallery läuft wieder ... dachte ich: Sämtliche in der Testumgebung eingefügten Bilder können nicht angezeigt werden. Sie werden einfach nicht gefunden. Die Pfade nachgesehen und festgestellt, dass es sich wohl um URL Rewrites handelt. Vermutlicher Fehler: Irgendwo liegt eine fiese .htaccess-Datei, die eigentlich während der Gallery-Reinstallation neu geschrieben hätte werden müssen, es aber nicht wurde.
Die Vermutung war richtig. Sowohl die .htaccess im Wurzelverzeichnis, als auch unter /sites/all/libraries/gallery2/ wurden beide bezüglich Pfadangaben im Zusammenhang mit URL Rewrites angepasst und die Bilder waren wieder auffindbar.
Vielleicht hilft das dem einen oder anderen weiter.
Freitag, 17. Februar 2012
Sozial-liberale Piraten
Die SPD durchsucht - und bitter enttäuscht.
Die Grünen durchwühlt - und nichts ist's gewesen.
Die Linke beschnuppert - doch zu viel and'res gefunden.
So manchen hat Politik schon verraten.
Mein Tipp ist: Es kann nicht schaden,
Schau geschwind zu den sozial-liberalen Piraten.
Kurzer Einfall, musste hier rein!
Vom Stil aber schon irgendwie wie Parteipropaganda aus einem Land vor unserer Zeit.
BranchOut als Karrierenetzwerk innerhalb von Facebook
Ein Kontakt innerhalb von Facebook hat mir gerade eine Anfrage geschickt, ich solle doch mal BranchOut ausprobieren. Ein kurzes Einführungsvideo beschreibt BranchOut als unvergleichbaren Karrieremotor - mehr erfahre ich darüber aber nicht.
Datenzugriff
Ein schneller und unüberlegter Klick würde für das Programmchen Zugriff auf zahlreiche meiner Daten erlauben:
- Alle öffentlich gemachten Infos - egal, nur zu!
- Wohnort, Ausbildung, bisherige Arbeitgeber - naja, bin Freiberufler - sind also keine Geheimnisse
- Infos, die andere mit mir teilen: Aktuelle Städte, Ausbildung bisherige Arbeitgeber - darüber schreibe ich gleich!
- Erlaubnis zum Senden von Emails
Das einzig Problematische, das ich schonmal in der Datenanforderung erblicke ist, dass sich "Infos, die andere mit mir teilen" so anhört, als würde ich hier den Zugriff auf diejenigen Daten meiner Kontakte erlauben, die meine Kontakte mit mir teilen. Es klingt für mich zumindest genauso. Oder sind mit dem Ausdruck "die andere mit mir teilen" lediglich öffentlich geteilte Infos gemeint? Ich mutmaße: Nein!
Diese Unsicherheit alleine würde eigentlich reichen, um den Dienst abzulehnen, ohne dass ich den weiteren Nutzen von BranchOut untersuchen müsste. Das was jetzt kommt ist nicht mehr so tiefgreifend, sondern erklärt nur noch zusätzliche Bedenken bzgl. Facebook als Karriereplattform.
Facebook privat oder Facebook beruflich
Die meisten Nutzer bei Facebook dürften inzwischen gelernt haben, dass persönliche Daten heikel sind. Wenn man schon gedankenlos Dinge über sich ins weltweite Netz stellt, dann zumindest die Kontrolle darüber bewahren. (Ob das überhaupt geht, kann man anderswo nachlesen.)
Kontrolle bewahren heißt, Einträge nur an Kontakte freigeben und auch Fotos für die Öffentlichkeit sperren.
Wer Facebook ausschließlich beruflich nutzt und zig-mal überlegt, welche Infos er darin mitteilt, kann eigentlich aufhören zu lesen. Sofern man aber Facebook als Privatdatenwiese nutzt, gilt das folgende.
Fleißig wird sich mit Freunden über die letzten Parties unterhalten, seine Stammtischreden durch das Netzwerk gejagt oder einfach nur darüber gesprochen, wann man mit wem dieses Jahr in den Urlaub fährt.
Das ist privates Umfeld. Jetzt kommt aber ein Werkzeug namens BranchOut daher, das so perfekt seine Arbeit im Bereich Karriereförderung machen kann, wie man es sich nur vorstellen kann. (Ich weiß übrigens nicht, ob es seine Arbeit perfekt macht, denn ich hab's mir noch nicht angesehen, siehe Abschnitt unter der ersten Überschrift dieses Eintrags.)
Die Güte des Werkzeugs ist egal. Sobald man innerhalb eines überwiegend privat genutzten Netzwerks plötzlich Leute ins Netzwerk holt, die aus dem eigenen beruflichen Umfeld kommen, kann man schnell Probleme bekommen. Es ist egal, ob BranchOut die privaten Inhalte von den Geschäftskontakten fernhält (was es übrigens tatsächlich tun soll nach Auskunft eines Mitarbeiters). Es ist auch vollkommen wurscht, dass man eventuell darüber ein super Jobangebot bekommen wird (das bekommt man dann über andere Dienste auch). Denn eines wird zum Problem:
Eine Kommunikation ist entweder privat oder beruflich. In unserer Gesellschaft herrscht eine Trennung dieser beiden Lebensbereiche. Das äußert sich dadurch, dass man sich bei Bewerbungsgesprächen anders benimmt als auf privaten Partys. Man versucht seriöser zu wirken (meistens seriöser als man eigentlich ist). Zu allem Übel wird im Berufsumfeld auch schonmal auf die Kleidung geachtet, die so gar nicht der Weggehkleidung gleichen möchte.
Ob das schön oder nicht schön ist und dass der Personaler auch irgendwann mal besoffen in einer Cocktailbar hängt, kann man irgendwo ausdiskutieren. Es ändert nämlich nichts an der Tatsache, dass der wieder nüchterne Personaler trotzdem seine Entscheidung im Zweifelsfall an weißen Socken und unrasiertem Gesicht festmachen wird.
Aber wie kommt's dazu, dass er Details rauskriegt, die doch so perfekt im Privatbereich von Facebook versteckt sind? Da braucht es nicht einmal einen Softwarefehler, damit das passiert. Man lernt also über BranchOut einen Personaler oder einen möglichen Geschäftspartner kennen und tauscht Nachrichten aus über mögliche Jobs und über Erfahrungen. Beim ersten Austausch ist noch nix dabei aber man bleibt in Kontakt - vorerst über BranchOut. Und nach einem halben Jahr schickt der findige Personaler eine Kontaktanfrage über Facebook, weil er ja jetzt einen interessanten Job hätte. Wer wird denn da Nein sagen?
Und hab-ichs-nicht-gesagt verschwimmt schon Beruf und Privates bei Facebook. Wer da jetzt noch trennen möchte, mit wem man was teilt, der muss sich mit den Facebooklisten schon sehr gut auskennen und diesen schon äußerst stark trauen.
Mein Tipp: Privat und beruflich trennen. Solange Facebook unberechenbar im Bezug auf das Handling der Daten hat und solange solche Anfragen für Datenfreigabe kommen, die sich auf unsere Kontakte beziehen, ist Facebook tabu für alles was über Privates hinausgeht. Dafür gibt es spezialisierte Plattformen.
BranchOut würde für mich erst dann interessant, wenn ich wirklich absolut vertrauenswürdigen Einblick in die Arten der geteilten Daten hätte, wie die Anbindung zu Facebook erfolgt usw. Und selbst dann würde ich als Jobinteressent meine potentiellen Arbeitgeber unnötigerweise auf meinen privaten Datenpool bei Facebook aufmerksam machen. Muss ja nicht sein. Sollen selbst danach suchen!
Als Schlussgedanke vielleicht folgendes:
Eigentlich sollte ja im Netz sowieso nix drinstehen, was man nicht mit
dem Megaphon über den Marktplatz plärren würde - bei laufenden
BBC-Kameras - zur besten Sendezeit.
Mittwoch, 15. Februar 2012
E-Government aus soziologischer Sicht
Dieser Eintrag fasst vorab ausschließlich den Beitrag "Sociological Reflections on E-government" von Maria João Simões zusammen. Der Beitrag (hier abrufbar) wurde auf der Konferenz ICDS 2012 - Sixth International Conference on Digital Society eingereicht. In einem zweiten Teil möchte ich Aspekte zum Thema Bürgerbeteiligung herausnehmen und kurz meine Gedanken dazu formulieren.
Sociological Reflections on E-Government von Maria João Simões
Die Autorin nennt als Motivation für das Verfassen des Beitrags die fehlende Betrachtung von E-Government aus soziologischer Sicht. Die meisten Arbeiten seien bisher überwiegend aus IT-Sicht verfasst. Da das zu betrachtende Feld aber ein interdisziplinäres Problem darstelle, sei eine Beschäftigung durch andere wissenschaftliche Gebiete unerlässlich.
Mit einer These steigt Simões in ihre Betrachtung ein:
E-Government lässt sich als Thema nicht von der Ausgestaltung der Staatsbürgerschaft trennen.
Diesen Aspekt erweitert sie mit einer Klarstellung, dass nämlich E-Government allgemein verschiedene Formen annehmen kann, ebenso wie auch die Regierung eines Staates: Wenig oder stark demokratisch geprägt. Und selbst diese beiden Formen können verschiedenartig ausgeformt sein. So ist es äußerst wichtig, dass man die Art von Staat, sowie Staatsbürgerschaft vorab definiert, die man für das Thema E-Government zu Grunde legt.
Passive vs. aktive Staatsbürgerschaft
Dabei werden zwei Extreme definiert, die dazwischenliegenden Zwischenformen werden bewusst nicht betrachtet:
- Passive Staatsbürgerschaft: Liberales Umfeld, umfangreich Bürgerrechte, Politik als Sache des Staates in persona von Experten und Politikern, Beteiligung des Bürgers als Wahl zwischen vorgefertigten Alternativen
- Aktive Staatsbürgerschaft: Bürger als Mitglied einer politischen Gemeinschaft mit aktiver Beteiligung als Teil des Alltäglichen
Die Voraussetzung für eine aktive Staatsbürgerschaft sei die Motivation zur politischen Teilhabe, was vor allem über die Erkenntnis gehe, dass Politik umfassender Teil des eigenen Lebens sei. Gerade im regionalen und lokalen Umfeld biete sich die Chance, diese Verbindung von Politik und unmittelbarem Umfeld bewusst werden zu lassen.
Weiterhin sei der ungehinderte Zugang zu Information [und Wissen] Voraussetzung zur Ausübung aktiver Staatsbürgerschaft. Doch auch die Art der Information sei entscheidend. Es gehe vorwiegend um Informationen, die sich auf die Probleme der Bürger bezieht. Dahingehend sei auch der Kontext, die Belegbarkeit der zur Verfügung gestellten Informationen und die Darstellung der Folgen von politischen Entscheidungen zentrale Aspekte.
Kommunikationsmodelle bei E-Government
Während bei passiver Staatsbürgerschaft die Kommunikation zwischen Bürger und Regierenden eher eine einseitige ist, müsse bei aktiver Staatsbürgerschaft eine bidirektionale Kommunikation aufgebaut werden. Folgende fünf Schritte nennt Simões für einen möglichen Ablauf dafür:
- Anfrage BÜRGER an POLITIKER
- Rückmeldung POLITIKER an BÜRGER mit Hinweis über weiteren Verlauf
- Mögliche Antwort oder Ausdruck weiterer Erwartungen von BÜRGER an POLITIKER
- Politische Aktion oder Information über Nicht-Aktion durch POLITIKER an BÜRGER
(Anmerkung: Die Autorin teilt Punkt 4 in ihrer Arbeit in zwei sich gegenseitig ausschließende Punkte auf.) Die Autorin schließt dabei eine Erweiterung dieses Modells ausdrücklich nicht aus, sondern bezeichnet diese Schritte lediglich als die Basis einer bidirektionalen Kommunikation zwischen Bürger und Regierenden.
Neben dieser vertikalen Kommunikation beschreibt die Autorin auch die Notwendigkeit einer horizontalen: Kommunikation von Bürgern untereinander. Dabei sei zu beobachten, dass durch rege Debatten regelmäßig Gruppenbildungen (auch wechselnde) stattfinden und Ansichten umgewertet und umformuliert werden können. (Anmerkung von mir: Denke grad an LiquidDemocracy.)
Die Form der Staatsbürgerschaft definiert das Aussehen eines E-Government-Systems.
Zuviel technische Herangehensweise - zu wenig Soziologie?
Bisherige Ansätze für E-Government-Lösungen seien zu sehr aus technischer Sicht entwickelt worden (Infrastruktur und Softwarearchitektur). Stattdessen müsse das Zusammenspiel zwischen Gesellschaft und Technologie untersucht werden.
Ziel sei etwas in der Art
Bei E-Government geht es mehr um Government als um das "E".
Zwar sei eine Auswahl von technischen Lösungen wichtig, allerdings macht dies noch längst nicht E-Government aus. Man könne technische Werkzeuge (wie Web 2.0) sowohl für horizontale als auch vertikale Kommunikation einsetzen. Jedoch sei damit längst nicht das Problem der Aktivierung der Bürger gelöst. Altbekannte Probleme einer passiven Staatsbürgerschaft müssen auf dem Weg zu einer aktiven Staatsbürgerschaft überwunden werden:
- Politiker fühlen sich als alleinig legitimiert Bürgermeinungen zu vertreten
- Bürger bleiben bei der turnusmäßigen Wahl von Volksvertretern in der Passivität hängen
- Bürger fehlt der Glaube daran, etwas ausrichten zu können
Die Autorin zitiert einen Verantwortlichen einer portugiesischen Gemeinde, der wegen der politischen Passivität der meisten Bürger vorerst nicht auf technische Lösungen, sondern auf persönliche Treffen zur Realisierung von politischer Teilhabe setzt.
Abschließend stellt Simões noch einmal vor, welche Bereiche von der Auswahl eines bestimmten Teilhabemodells betroffen sind:
- Art der Informationen, die den Bürgern zugänglich sind
- Services, die verfügbar gemacht werden
- Kommunikationsmodelle
- Intensität und Häufigkeit der Interaktion zwischen Regierenden und Bürgern
Flexible Entscheidung über Intensität der Beteiligung
Maria João Simões thematisiert in ihrer Arbeit stark die aus ihrer Sicht falsch gesetzten Schwerpunkte bei der Herangehensweise an E-Government. Ich glaube zu verstehen, was sie mit zu technischer Herangehensweise meint und gebe ihr zumindest insofern recht, dass ich eine Entwicklung von E-Government als politisches Werkzeug aus mehreren Fachgebieten heraus ebenfalls als äußerst wichtig erachte.
Trotzdem möchte ich kurz ein paar Gedanken zu einem anderen Schwerpunkt teilen: Der Ausgestaltung der politischen Teilhabe.
Zusammenspiel von passiver und aktiver Teilhabe
Simões unterscheidet sehr schön zwischen passiver und aktiver Teilhabe, wobei die Passivität hier nicht zwingend als absolutes Nichteinbringen zu sehen ist. Schon eher entspricht passive Bürgerteilhabe in ihrem Sinne der repräsentativen parlamentarischen Demokratie im Verständnis unserer westeuropäischen Staaten: Alle paar Jahre seine Kreuzchen abgeben und damit nicht Einzelentscheidungen treffen, sondern eher über Paketvorschläge entscheiden und dann eine unidirektionale Kommunikation von Regierenden zu Bürgern aussitzen.
Nun ist damit eine nicht zu geringe Anzahl von Bürgern zwar zufrieden und würde sagen: "Gottlob muss ich nicht über noch mehr entscheiden, wozu haben wir denn die Zunft der Politiker?" Jedoch lässt sich nicht unter den Tisch kehren, dass moderne Demokratie im 21. Jahrhundert doch eine andere Form haben sollte.
So wie die Autorin aktive Teilhabe bzw. Bürgertum und ein dafür nötiges Kommunikationsmodell beschreibt, könnte das durchaus eine Grundlage für die Einrichtung einer Sammlung von Werkzeugen für politische Aktion seitens der Bürger sein. Ist das aber mit der Gruppe der passiv bleibenden vereinbar?
Demokratie im Fluss
Inwiefern ist die Abgabe einer Stimme oder der Ausdruck einer politischen Entscheidung bzgl. einzelner Sachthemen verpflichtend? Kann man Aufteilen zwischen politisch passiven und politisch aktiven Bürgern? Können die Passiven weiterhin Entscheidungspakete wählen? Welche Rolle spielen dann die Entscheidungen des aktiven Bürgertums?
Ich denke, eine Beschäftigung mit dem Konzept von Liquid Democracy hilft diesbezüglich durchaus weiter. Dort spielt der fließende Übergang von reiner Entscheidungsdelegation hin zu einer teilweise delegierten und teilweise selbst wahrgenommenen Entscheidungmacht eine zentrale Rolle.
Wenn dieses Konzept alle Bürger - unabhängig ob eher passiv oder stark aktiv - in den politischen Prozess einzubinden vermag, sollte dies ein verfolgenswertes Konzept sein. Jeder Bürger mag zu bestimmten Themen etwas mehr oder etwas weniger aktiv werden wollen. Und das sollte legitim sein.
Ebenso sollte beachtet werden, dass nicht eine Diktatur einer bzgl. eines bestimmten Themas unaufgeklärten Mehrheit gesellschaftlich gefährliche Entscheidungen trifft. Was mich hierbei aber optimistisch stimmt, ist ein weiterer Aspekt, den auch Maria João Simões bereits genannt hat: Deliberative Demokratie (sorry, dass ich hier nur einen Wikipedia-Link setze).
Ich glaube, dass wir noch einiges an Arbeit bzgl. der Ausgestaltung dieser Gesichtspunkte haben. Ich denke aber auch, dass es Zeit ist sich jetzt auf den Weg zu machen.

